Aquaristik

Aquaristik ist ein wirklich schönes Hobby. Man kann seiner Kreativität freien Lauf lassen und so etwas Individuelles schaffen. Es gibt unzählige Möglichkeiten das Hobby zu betreiben: Vom techniklosen "Fensterbank-Becken" bis zur High-End Computer-Steuerung ist alles möglich und der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Auf den folgenden Seiten möchte ich Ihnen nun einen Einblick über meinen 400L Neonsalmler-Traum geben...

Quelle: Flowgrow
Autor: Tobi

Estimative Index

Der Estimative Index wurde von Tom Barr (http://www.barrreport.com) entwickelt und ermöglicht es alle benötigten Nährstoffe in sein bepflanztes Aquarium einzubringen. Tom Barr selber hat Biologie mit Schwerpunkt auf Wasserpflanzen studiert und in diesem Bereich promoviert er zur Zeit. Er arbeitet an einem College in den USA und strebt in naher Zukunft eine Professur in diesem Bereich an, dementsprechend kann man davon ausgehen, dass seine Erkenntnisse Hand und Fuß haben.
Durch die regelmäßige Zugabe von genügend Nährstoffen treten keine Mangelerscheinungen auf und mit einhergehendem regelmäßigem Wasserwechsel verhindert man die starke Konzentration von Nährstoffen, welche zu Blockierungen von anderen Nährstoffen führen kann. Da der Estimative Index eine Methode ist, bei der die Menge der benötigten Nährstoffe des Aquariums geschätzt wird, benötigt man keine Wassertests. Diese Schätzung basiert auf Tests von Tom Barr, bei denen er den Nährstoffverbrauch vieler Pflanzen analysiert hat und dementsprechend seinen Pflanzen die ausreichende Menge an Nährstoffen bereitstellt.

Pflanzen verbrauchen pro 24 Stunden bei hoher Lichtleistung ca:

NO3 -> 1-4 mg/l
NH4 -> 0.1-0.6 mg/l (Wobei man nicht Ammonium dosieren sollte, da es Algen auslöst)
PO4 -> 0.2-0.6 mg/l

Hierbei sollte man jedoch bedenken, dass die Pflanzen bei geringerer Dosierung noch keine Mangelerscheinungen zeigen. Aber ebenfalls eine höhere Dosierung, als den täglich angenommenen Verbrauch, keine Wuchssteigerung herbeiführt.
Durch die Zugabe von den benötigten Nährstoffen über die Woche beugt man Mangelerscheinungen vor und ermöglicht es den Pflanzen gut zu wachsen und dadurch das Algenwachstum zu minimieren.

Tom Barrs wichtigste Annahme bei der Entwicklung dieser Methode war das Wissen, dass hohe Mengen an Nährstoffen keine Algen auslösen. Viele Autoren halten an diesem Irrtum fest, ohne dies explizit in Aquarien mit gesundem Pflanzenwuchs nachgewiesen zu haben. Dementsprechend lösen hohe Nitrat-, Phosphat- und Eisenwerte keine Algen aus und dieser Irrtum muss endlich aus den Köpfen der Leute verschwinden. Es ist nicht richtig Gewässer aus der Natur mit Aquarien zu vergleichen und daraus seine Schlüsse für die Düngezugabe abzuleiten.
Der einzige Stoff, der zum Algenwachstum führt, ist Ammonium (NH4+), dieser kann schon in geringem Maße für einen Algenausbruch verantwortlich sein. NO3 in Form von KNO3 dosiert kann dementsprechend zu keinem Algenwachstum führen, jedoch reichen laut Tom Barr schon kleinste Mengen Ammonium (z.b. 1/20 von der zugeführten NO3 Menge), um ein starkes Algenwachstum zu forcieren.
Die Nährstoffe Nitrat, Phosphat, Kalium und Eisen können demnach in hohen Mengen vorhanden sein, jedoch Ammonium und Urea führen schon in geringsten Dosierungen zu Algen.

Der Estimative Index probiert also pro Woche genügend Nährstoffe in das Aquarium zu bringen, um Algenwachstum vorzubeugen und für gesunden Wuchs der Pflanzen zu sorgen. Einmal pro Woche wird darauf ein Wasserwechsel von 50% durchgeführt, damit die Nährstoffkonzentration nicht überhand nimmt und das Wasser auf ein geringeres Maß an Nährstoffen zurückgestellt wird. So kann man erneut mit seiner reichhaltigen Düngung beginnen.

Die Hauptnährstoffe die dosiert werden sind die Makronährstoffe Nitrat, Phosphat und Kalium ebenso wie die Mikronährstoffe samt Eisen.

Der Estimative Index ist ausgelegt für Becken mit hoher Lichtleistung von mindestens 1 Watt pro Liter, CO2 Zufuhr und einer guten Bepflanzung. In Becken mit weniger Licht und vielleicht keiner CO2 Zufuhr muss die Dosierung angepasst bzw. verringert werden und kann z.B. auch nur wöchentlich zugeführt werden.
Zusätzlich können weitere Variablen wie sehr hohe Nitrat- und Phosphatwerte im Leitungswasser oder sehr großer Fischbesatz dazu führen, dass die Dosierung dementsprechend angepasst werden muss.

Dosierung für Aquarien mit viel Licht (1+ Watt pro Liter), CO2 und gutem Pflanzenbesatz:

Die folgenden Grammangaben sind berechnet aus dem Maß tsp (Teaspoon) und können dementsprechend auch etwas nach oben oder unten abgerundet werden, wenn man keine so genauen Messmöglichkeiten hat. Die Dosierung mit Dosierlöffel (Teelöffel/teaspoon) ist ja ebenfalls nicht 100% genau. Natürlich kann man sich auch einen Dosierlöffel besorgen und damit die Nährstoffe in das Aquarium einbringen. Das Maß tsp beinhaltet 5ml. Die Dosierung kann mit den trockenen Chemikalien stattfinden, alternativ kann man auch eine Lösung ansetzen.

Sprich man gibt in 500 ml warmes Wasser:

60 Gramm KNO3
10 Gramm KH2PO4
(11,5 Gramm K2SO4 (bei starkem Bedarf nach Kalium, ansonsten wird bereits genügend Kalium über KNO3 und KH2PO4 zugeführt)

Das Phosphat sollte nicht mit den Spurenelementen vermischt werden, daher ist es nicht Ratsam seiner angesetzten Düngelösung den Eisen- und Spurenelementedünger hinzuzufügen. Nitrat, Phosphat und Kalium lassen sich jedoch ohne Probleme mischen.

40-80 Liter Aquarien:

ca. 0,65g KNO3 (Nitrat) (1/8 tsp) – 3 mal die Woche
ca. 0,175g KH2PO4 (Phosphat) (1/32 tsp) – 3 mal die Woche
[ca. 0,2g K2S04 (Kalium) (1/32 tsp) – 3 mal die Woche, nur bei zu wenig Kalium zu dosieren]
(alternativ zu den trockenen Chemikalien 8,75 ml der NP[K] Lösung – 3 mal die Woche)
ca. 2 ml von z.B. Ferrdrakon (Spurenelemente/Eisen) – 3 mal die Woche
50% Wasserwechsel

80-160 Liter Aquarien:

ca. 1,3g KNO3 (Nitrat) (1/4 tsp) – 3 mal die Woche
ca. 0,35g KH2PO4 (Phosphat) (1/16 tsp) – 3 mal die Woche
[ca. 0,4g K2S04 (Kalium) (1/16 tsp) – 3 mal die Woche, nur bei zu wenig Kalium zu dosieren]
(alternativ zu den trockenen Chemikalien 17,5 ml der NP[K] Lösung – 3 mal die Woche)
ca. 5 ml von z.B. Ferrdrakon (Spurenelemente/Eisen) – 3 mal die Woche
50% Wasserwechsel

160-240 Liter Aquarien:

ca. 2,6g KNO3 (Nitrat) (1/2 tsp) – 3 mal die Woche
ca. 0,7g KH2PO4 (Phosphat) (1/8 tsp) – 3 mal die Woche
[ca. 0,8g K2S04 (Kalium) (1/8 tsp) – 3 mal die Woche, nur bei zu wenig Kalium zu dosieren]
(alternativ zu den trockenen Chemikalien 35 ml der NP[K] Lösung – 3 mal die Woche)
ca. 10 ml von z.B. Ferrdrakon (Spurenelemente/Eisen) – 3 mal die Woche
50% Wasserwechsel

240-300 Liter Aquarien:

ca. 3,9g KNO3 (Nitrat) (3/4 tsp) – 3 mal die Woche
ca. 1,05g KH2PO4 (Phosphat) (3/16 tsp) – 3 mal die Woche
[ca. 1,2g K2S04 (Kalium) (1/4) tsp) – 3 mal die Woche, nur bei zu wenig Kalium zu dosieren]
(alternativ zu den trockenen Chemikalien 52,5 ml der NP[K] Lösung – 3 mal die Woche)
ca. 15 ml von z.B. Ferrdrakon (Spurenelemente/Eisen) – 3 mal die Woche
50% Wasserwechsel

300-380 Liter Aquarien:

ca. 5,2g KNO3 (Nitrat) – 3 mal die Woche
ca. 1,4g KH2PO4 (Phosphat) – 3 mal die Woche
[ca. 1,6g K2S04 (Kalium) – 3 mal die Woche, nur bei zu wenig Kalium zu dosieren]
(alternativ zu den trockenen Chemikalien 70 ml der NP[K] Lösung – 3 mal die Woche)
ca. 20 ml von z.B. Ferrdrakon (Spurenelemente/Eisen) – 3 mal die Woche
50% Wasserwechsel

380-480 Liter Aquarien:

ca. 8,4g KNO3 (Nitrat) (1 1/2 tsp) – 3 mal die Woche
ca. 2,3g KH2PO4 (Phosphat) (1/2 tsp) – 3 mal die Woche
[ca. 2,6g K2S04 (Kalium) (1/2 tsp) – 3 mal die Woche, nur bei zu wenig Kalium zu dosieren]
(alternativ zu den trockenen Chemikalien 87,5 ml der NP[K] Lösung – 3 mal die Woche)
ca. 25-30 ml von z.B. Ferrdrakon (Spurenelemente/Eisen) – 3 mal die Woche
50% Wasserwechsel


Beispieldosierung für ein 200 Liter Aquarium:

Bild

K2SO4 wird nicht bei der Dosierung benötigt, da genug Kalium in KNO3 und KH2PO4 vorhanden ist. Eine zusätzliche Dosierung von Kalium ist also nur in besonderen Fällen notwendig.

Die Ziel-Wasserwerte des EI bewegen sich um:

CO2 : 30 mg/l
NO3 : 5-30 mg/l
K : 10-30 mg/l
PO4 : 1.0-2.0 mg/l
FE : 0,2-0,5 oder höher
GH : 3-5
KH : 3-5


Wo kauft man diese Chemikalien?

z.B. bei :
www.aquasabi.de
http://www.omikron-online.de

Eine fertige Düngelösung, welche auf dem Estimative Index PMDD basiert gibt es hier zu kaufen:
Aqua Rebell Makro Basic Estimative Index - 500 ml
Aqua Rebell Makro Basic Estimative Index - 1000 ml


Ich hoffe ich konnte euch dieses Düngesystem etwas näher bringen, für weitere Informationen schaut am besten auf der Seite von Tom Barr nach. Unter folgendem Link findet ihr die genaue Beschreibung dieser Methode : -> Estimative Index Link <-

Deutscher ausführlicher Artikel zum Estimative Index

Tom Barrs ausführliche Erklärung zum EI System


Messlöffel

Um die Chemikalien trocken zu dosieren braucht man entsprechende Messlöffel. Da es in Deutschland teilweise recht schwierig ist Messlöffel mit der Einteilung in tsp zu bekommen, ist hier ein Link eines US Ebay Händlers, der auch nach Deutschland versendet. In dessen Shop einfach nach Measuring Spoons suchen und dann die "Mini Measuring Spoon 5 piece Set Stainless Steel" wählen.

http://www.abrestaurantsupply.com/

Schönes Programm zum EI:

NutriCalc ist ein schönes kleines Programm mit dem man seine EI Dosierung berechnen kann. Der Autor Quenton war so freundlich seine Erlaubnis zu erteilen, das Programm hier zu veröffentlichen. Es kommt vielleicht auch noch eine deutsche Übersetzung, dies dauert leider aber noch etwas.
Nicht wundern, dass die NPK Werte bei "angeklicktem EI" etwas höher sind. Der Autor des Programms hat bereits die Aufnahme von Pflanzen mit eingerechnet und daher resultieren die etwas erhöhten Werte.
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